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15/02/2018
Törnbericht Kapverden, Teil 2
28/02/2018

Törnbericht Kapverden, Teil 1

Monte Trigo im Südwesten von Sao Antao

Wo kann man in den Wintermonaten segeln? – Auf der Interboot Messe in Friedrichshafen fand ich eine Antwort: Kapverden. Im Januar Lufttemperatur 23 Grad und Wassertemperaturen ebenfalls 23 Grad, dazu konstanten Passatwind. Tönt doch super! So stellte ich eine Crew zusammen, charterte eine Sun Odyssey 449 und im Januar 2018 flogen wir via Lissabon nach São Vincente. Die Anreise verlief tiptop, früh los in Zürich, kurze Umsteigezeit in Lissabon und am frühen Nachmittag Ortszeit waren wir schon in der Marina.

São Vincente, Marina Mindelo

Marina Mindelo Schwimmsteg

Die Marina Mindelo ist die einzige Marina im ganzen Archipel. Es hat Schwimmstege mit Wasser und Strom und sanitäre Anlagen, die in Ordnung sind. Im Unterschied zu Marinas im Mittelmeer ist Mindelo aber nicht wirklich gegen Schwell geschützt, der in die Bucht rein kommt. Die grosszügig bemessenen Schwimmstege sind recht locker am Grund befestigt und es bläst im Hafen konstant mit gut 5 Bft. D.h. die ganze Marina schwingt ständig hin und her und ruckelt manchmal derart, dass es dich beim Gehen fast vom Schwimmsteg schmeisst! Und das in nüchternem Zustand…

Marina Mindelo Abendstimmung auf der Jacht

Die Jachten müssen möglichst weit vom Steg liegen, um nicht dagegen zu schlagen. Eine Gangway oder ein Brett zu montieren, kannst du vergessen. So haben wir gleich am ersten Tag den recht gefährlichen Aufs-schwankende-Schiff-übertreten-Schritt geübt.

Strand in Mindelo unweit der Marina

Mindelo ist ein cooles Städtchen! Tolle und günstige Restaurants, viel live Musik, schmackhaftes Essen und Leute, die gut drauf sind. Günstig meint 12 Euro für ein Nachtessen inkl. Wein. Unsere 2 Vegis in der Crew hatten es zwar nicht leicht im reichhaltigen Angebot von Fisch und Fisch etwas für ihren Gaumen zu finden, aber irgendwie liess sich immer ein Gemüseteller organisieren.

Santo Antão, Monte Trigo

Die gebirgige Insel Santo Antão liegt nur etwa 10sm westlich von Mindelo. Allerdings hat der Kanal zwischen São Vincente und Santo Antão ein beachtliche SW-Strömung, die je nach Gezeit stärker oder schwächer ist, so dass man bei viel Wind und grossem Gezeitenkoeffizient am besten gar nicht nach Norden aufzukreuzen versucht. Zusätzlich zu Wind und Strömung muss man eben auch gegen die Welle ankämpfen und die hat hier 2-3m. Einmal sind wir später in der Woche nach einem Schaden am Grosssegel in Ufernähe nach Mindelo hoch motort, das ging gerade noch.

Segeln bei Starkwind im Kanal zwischen São Vincente und Santo Antão

Auf unserem Törn hatten wir nie weniger als 6 Bft Wind. Das war manchmal schon recht sportlich, v.a. wenn die Böen dann in die 8 Bft gingen. Die ganze Woche im 3. oder im 2. Reff. So entschied ich mich für den ersten Tag einen Angewöhnungsschlag auf räumlichem Kurs zu fahren. Wir segelten mit tollem Speed zur SW-Ecke von Santo Antão und fuhren in den Windschatten westlich der Insel.

Route: Mindelo – Monte Trigo

Monte Trigo im Westen von Santo Antão

Da stellt der Wind innerhalb von 100m von 6-7Bft auf 1 Bft ab. Plötzlich ist es warm und ruhig, kaum noch Welle, Ferienstimmung kommt auf! Unter Motor gelangten wir bis Monte Trigo, einer kleinen, nur übers Wasser erreichbaren Siedung am Strand. Hier hat es zwei Bojen. Wir wählten diejenige weiter weg von den Felsen und genossen ein erstes Bad im Meer.

Boje in Monte Trigo

Für das Nachtessen im «Hotel» ruderten uns einige einheimische Jungs für ein paar Euro mit einem robusten Holzboot an den Strand. Mit dem Dinghi wäre es auch irgendwie gegangen, aber wir hätten alle mehr als nur nasse Füsse gehabt. Nachtessen war super: Fisch direkt aus dem Meer. Es gibt keine Speisekarte, du kriegst was es hat; ist mir sympathisch.

Auf Kapverden wird von einem nächtlichen Bad im Meer abgeraten. Grund: Haie! Wir wollten das Schicksal nicht unnötig herausfordern, verzichteten auf das nächtliche Bad und genossen eine ruhige Nacht an unserer Boje.

Nacht an Boje vor Monte Trigo