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7 Gründe für einen Segeltörn in Schottland

Regenbogen und Leuchtfeuer

Leuchtturm nördlich von Tobermory mit Regenbogen

Um es vorweg zu nehmen: Ich bin Schottlandfan. Nicht etwa, dass ich am Feierabend im Schottenrock herum laufe und auf dem Balkon Dudelsack spiele. Aber mir gefällt das Land, die Landschaft, die Abgeschiedenheit, die Art und Weise der Leute und die Ernsthaftigkeit, mit der sie Seefahrt betreiben. Wenn ich vom Segeln in Schottland schwärme, dann runzeln manche Leute die Stirn. Segeln tönt ja super! Segeln im Mittelmeer, in der Karibik, in Thailand, irgendwo, wo’s warm ist. Segeln tönt nach baden, schnorcheln, Palmen, T-Shirt und Sonnencréme. Aber segeln in Schottland? Da regnet es doch ständig, es ist kalt und baden liegt nicht drin, oder?

Schottland ist wunderschön: Palmen und weisse Strände

Nein, baden liegt nicht drin. An der Westküste Schottlands liegen die Wassertemperatur im Juli bei 10-12 Grad. Der Golfstrom erreicht mit seinem warmen Wasser Schottland gerade noch, aber bade-warm ist er dort nicht mehr. Wenn man am Strand Leute im Wasser sieht, dann tragen sie Neopren-Anzüge. Immerhin führt der Golfstrom an der Westküste Schottlands zu einem milden Klima, so dass dort Palmen wachsen. Es sind nicht die Kokospalmen der Südsee, aber es sind Palmen.

(Craighouse, Jura. Bild von Thomas Kastura, www.thomaskastura.de)

(Vatersay Beach)

Was die Strände angeht, so steht Schottland anderen Segelrevieren in nichts nach. Es gibt unzählige, wunderschöne Buchten mit weissen Sandstränden und kristallklarem Wasser. An einem sonnigen Tag im Juli klettert das Thermometer auf 24 Grad, du trägst T-Shirt und Shorts, bist gut mit Sonnencréme eingeschmiert und geniesst deine Traumbucht.

(Kilmory Bay auf Rum)

Schottland ist mystisch: Nebel, Steine und alte Geschichten

Das Wetter in Schottland kann am besten mit «wechselhaft» beschrieben werden. Ja, es regnet viel, aber oftmals nur kurz. Sonne, Wolken und Regen wechseln sich meist mehrmals am Tag ab. Mal hat man Glück und erwischt mehrere Tag nur Sonne, oder man hat Pech und es strätzt und stürmt ein paar Tage lang. Meist ist das Wechselbad des Wetters aber das normale Wetter.

Das rasch wechselnde, grauverhangene Wetter, das satte Grün der Hügel, das Grau der Felsen und Häuser, die Schlösser und Ruinen, die alten Kirchen und Grabsteine, die Stille und die Einsamkeit, die das Land ausstrahlt, all das hat etwas Mystisches an sich. Das lässt sich schlecht erklären, aber es ist wunderschön. Hinter den alten Steinen, stecken alte Geschichten. Einige sind bekannt, andere nicht, einige werden sich so zu getragen haben, wie man sie erzählt, andere wohl kaum, aber sie hören sich toll an.

(die Abbey auf Iona)

Schottland ist abgeschieden: … dann kommt lange nichts mehr

Costa Smeralda, die Südtürkei oder Kroatien, all paar Seemeilen findest du eine nette Marina oder eine gut geschützte Ankerbucht mit einem tollen Restaurant. Das ist ja unter anderen auch der Reiz dieser Destinationen. Man ist selten allein. Meist hat es noch viele andere Boote, die Marinas sind am Abend voll und das touristische Leben in den Hafenstädtchen pulsiert. Der Reiz von Schottland ist gerade das Gegenteil davon: die Abgeschiedenheit. Im Süden des Landes im Firth of Clyde ist die nautische Infrastruktur noch recht dicht, aber je weiter nördlich man kommt, ist man mehr und mehr auf sich gestellt. Um an der Westküste Schottlands und zu den Herbiden zu segeln, sind wir jeweils ab Oban gestartet. Es gibt zwar ein paar Marinas und in den grösserer Orten wurden Schwimmstege für Jachten eingerichtet. Aber so viele grössere Orte sind es gar nicht und wer den Sprung über den Minch zu den Äusseren Herbiden macht, findet sich in wunderschöner Natur wieder und in wunderschöner Einsamkeit. Da muss von einer Marina zur nächsten gut mit einer Tagesetappe gerechnet werden.

(neuer Jachtsteg in Lochboisdale/ Äussere Hebriden, mitten im Nirgendwo)

Die einzige Verbindung zur Zivilisation ist in den wenigen besiedelten Orten die Fähre. Auf Barra, einer anderen Insel auf den Äusseren Herbiden, hat es eine Sandpiste für Kleinflugzeuge am Strand. Die Piste ist nur bei Ebbe trocken, bei Flut ist sie unter Wasser. Der Flugplan richtet sich also nach den Gezeiten.

(Castle Bay auf Barra/ Äussere Hebriden, typische Situation mit einem Bojenfeld)

Schottland ist navigatorisch herausfordernd

Es gibt Tausende von Inseln und Untiefen, die man umschiffen sollte. Es gibt Gezeiten von 2-3m, die an engen Stellen zwischen den Inseln Strömungen von bis zu 8kn erzeugen. Da lohnt es sich also genau zu rechnen und gut zu planen. Manche mögen genau das nicht, weil man ja auch Fehler machen kann. Aber wenn man dann mit 6Bft im Rücken nur mit einer gerefften Genua durch eine Meeresenge mit 11,5 Knoten heizt, weil noch 4 Knoten Strom mithelfen, dann war’s die Rechnerei wert. Du segelst dann auf einem Fluss und in den Stromschnellen spielen Seehunde. Mir gefällt das.

 

(Durchfahrt Gezeitenstrom Corryvreckan bei ausserordentlich ruhigen Verhältnissen)

In Schottland ist’s im Sommer lange hell

Die Gezeiten zwingen einem manchmal einen unüblichen Tagesplan auf. Wenn du auf Grund der Strömung eine Schlüsselstelle erst Nachmittags um 17.30 Uhr durchfahren kannst und nachher noch gut 4h vor dir hast, dann wird dein ETA 21.30 Uhr sein. In Kroatien kannst du davon ausgehen, dass die angesteuerte Bucht dann schon voll besetzt ist und du dich dann noch irgendwo reinquetschen wirst, sehr zum Unmut der Nachbar-Jachten, da zum Schwojen kaum noch Platz bleibt. Im Süden ist es um 21.30 Uhr vermutlich schon am eindunkeln und lieber vorher sein Schifflein sicher festmachen. Im Norden ist 21.30 Uhr kein Problem. Die Sonne geht im Juli nach 22 Uhr unter und bis 23 Uhr ist es noch hell genug für ein Ankermanöver in einer einsamen Bucht. Um 5 Uhr morgens scheint die Sonne bereits wieder. Die langen Tage ermöglichen bei der Tagesplanung viele Optionen.

In Schottland sparen auch die Boaties

Vielleicht hat es mit der Abgeschiedenheit zu tun, dass man sich freut, wenn man mal wieder jemanden trifft, dass man einander hilft, weil sonst niemand da ist. Grundsätzlich ist mir in Schottland auf dem Wasser viel Lebensfreude, Hilfsbereitschaft und Vertrauenswürdigkeit begegnet. Ein Beispiel dazu:

Nach einem stürmisch, nassen Segeltag kommen wir am späten Nachmittag in Plockton an, unserem Tagesziel, und suchen uns im Bojenfeld eine freie Boje. Es bläst mit Böen bis 8 Bft. Das sonst einfache Manöver mit Bug an die Boje gestaltet sich bei diesem Wind schwierig, wir verlieren einen Bootshaken. Wir verlieren auch den zweiten, fischen ihn wieder raus, fahren dann mit dem Heck an die Boje, machen eine Leine fest und drehen dann das Schiff mit dem Bug zur Boje. Huch! – durchatmen. Es bläst die ganze Nacht mit 7-8 Bft und auch am darauffolgenden Tag. So hängen wir den ganzen Tag an der Boje, schlafen, spielen, plaudern und trinken Tee. Am Nachmittag lässt der Wind auf 4-5Bft nach, wir fahren mit dem Dinghi an Land um im Pub zu essen. Dabei wollen wir auch die Gebühr für die Boje (etwa 12 Fr./Nacht) in die Honesty-Box einzahlen, einem Briefkasten am Steg. So funktioniert das hier. Am Pontoon stehen ein paar Männer und einer spricht mich mit breitestem, schottischen Akzent wegen der Boje an. Er wolle mir nur sagen, dass die Boje an der wir hängen eine private Boje sei… – Ich denke mir schon den Rest. Der wird mir jetzt den Kopf waschen und mir sagen, dass wir dort gefälligst verschwinden sollen!!… – Er fährt fort: Da wir an einer privaten Boje seien, müssten wir natürlich nichts bezahlen, weil ja der Preis nur für die öffentlichen Bojen gelte. Er hätte mich nur darauf hinweisen wollen, dass die privaten Bojen nicht geprüft sind. Also, wenn ich aus Sicherheitsgründen an eine andere Boje wechseln wolle, könnte ich das tun. – Ich brauchte eine Weile um zu verstehen, was da gerade gelaufen ist. Selbstverständlich haben wir freiwillig den Preis für 2 Nächte eingelegt und sind noch eine Nacht an der gleichen Boje geblieben. Wenn sie bei 8 Bft hält, dann sicher auch bei 5 Bft. Noch am Abend denke ich über die Begebenheit nach. Man stelle sich vor: 12 Fr.- für eine Boje in Kroatien…, oder: Honesty-Box in Süditalien…

In Schottland isst und trinkt man gut

Das Vorurteil vom schlechten Essen hält sich wacker, ist aber falsch. Auf den bisherigen Schottlandtörns haben wir ausnahmslos gut gegessen. Wer Fisch und Meerestiere mag, so wie ich, ist da im Paradies. Aber auch sonst findet man überall kreative, moderne Küche. Zu trinken gibts Weine aus aller Welt, Bier in allen Variationen und nach dem Essen den besten Whisky, den man sich denken kann. Cheers!

…. Ach, und hab ich’s schon erwähnt?

In Schottland hast du meistens guten, richtig guten Wind!