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Die Hongs der Phang Nga Bucht

Die Phang Nga Bucht liegt in Thailand östlich von Phuket. Sie ist Teil der Andaman-See und grenzt im Süden an die Strasse von Malakka. Die Ost-West-Ausdehnung entspricht mit ca 35sm einer gemütlichen Tagesreise. Der Ausgangspunkt für Segeltörns in dieser Region ist in der Regel das wohlbekannte Phuket. Dorthin flog uns im Januar 2019 Edelweiss in einem 11 stündigen Direktflug ab Zürich-Kloten.

Quelle: googlemaps

Tropenluft und Ankerduft

Morgens um 4 Uhr sind wir gelandet und waren gleich von der tropischen Wärme Thailands umgeben. Hier ist man auf 8° nördlicher Breite und darf sich auf Lufttemperaturen am Tag von 32° und Wassertemperatur von 28° freuen – und das im Januar. Januar ist eine gute Reisezeit, weil dann der NE-Monsun das Wetter bestimmt und trockene und mässige Winde mit sich bringt. Ein paar Male haben wir bei unserem Kat das 1. Reff eingebunden, wenn der scheinbare Wind auf über 25kn kletterte, aber meist war der Wind mit 4-5Bft mässig. Geregnet hat es während 2 Wochen nur einmal kurz in der Nacht vor Anker.

Der Anker war eines der meist benutzten Hilfsmittel an Bord unserer Nautitech Open 40. Es gibt in diesem Segelrevier praktisch keine Marinas. Ein paar in der Nähe von Phuket und dann eine im Niemandsland bei Krabi. Da, wo’s schön ist, ist man am ankern oder hängt sein Schiff an eine der ausgelegten Bojen, wenn man ihr traut. Die fehlende nautische Infrastruktur bedingt auch, dass man elektrischen Strom und Süsswasser selber produzieren muss. Strom lieferte die Lichtmaschine zuverlässig und Süsswasser haben wir mit einem Generator und Wassermacher selber aus Meerwasser gewonnen. Auf Phi Phi Island (Tomsai Bay) kann man Wasser an einem Schwimmsteg auffüllen, jedoch zu einem hohen Preis.  Umso besser, wenn  die Crew sparsam und diszipliniert mit dem kostbaren Süsswasser umgeht.

Wo James Bond baden geht

Die Phang Nga Bucht ist bekannt durch ihre senkrecht aus dem Wasser aufragenden Felsen. Einige der Inseln sind mehrere hundert Meter hoch. Das ist erstaunlich, da der nördliche Teil der Bucht, da, wo die spektakulärsten Inseln sind, sehr flach ist. Meist beträgt die Wassertiefe nur wenige Meter. Vor solcher Kulisse wurde ein Teil des James Bond Streifens „Der Mann mit dem goldenen Colt“ gedreht und die Insel, die als Drehort diente, wird täglich von tausenden Tagestouristen besucht. Natürlich wird jedem beim Betreten von solch heiligem Boden eine Gebühr von ca. 15 Fr. abgeknöpft. Kein Wunder konnte sich der hier versteckte Schurke einen goldenen Colt leisten! Wir drehten hier nur eine Dinghi-Runde und verzogen uns zu anderen Orten, wo man für weniger Geld mehr geboten bekommt.

James Bond Island (008°16,5’N  98°30,04’E) mit vielen Möchte-Gern-James-Bonds aus aller Welt.

Mit dem Dinghi in den Hong

Uns interessierten die Hongs. Die aus den senkrecht aufragenden Felsblöcken bestehenden Inseln, haben durch Erosion Lagunen gebildet, die meist von allen Seiten durch Felswände umschlossen sind, sogenannte Hongs. Hong bedeutet einfach Raum. Die löchrige Beschaffenheit mancher Insel ist schon mit Blick auf die digitale Seekarte erkennbar, hier der nördliche Teil der Insel Koh Phanak (008°11,8’N  98°29,4’E).

Quelle: webapp.navionics.com

Manche Hongs kann man bei Hochwasser mit dem Dinghi erkunden. Sie sind vom Meer her über eine enge Stelle oder einen Durchbruch im Felsen erreichbar. Hier paddeln wir in einen Seiten-Hong auf der Insel Koh Hong (008°13,3’N  98°30,0’E).

Auf der Insel Koh Kudu Yai besuchten wir gleich zwei Hongs. Der grössere bildet eine schöne Lagune, die mit dem Dinghi zugänglich ist (008°11,5’N  98°38,3’E). Leider reicht die Wassertiefe bei Ebbe nicht aus, sonst wäre das mein Ankerplatz für den Kat gewesen.

am Strand im Hong von Kudu Yai

Mehr oder weniger Touristen

Es ist eine Selbstironie, wenn man als Yachtcrew über die vielen „Touristen“ lästert, dabei sind wir das doch auch. Na ja schon, aber anderst. Mit „Touristen“ meinen wir gewöhnlich die Masse von Tagestouristen, die für ordentliche Bezahlung auf Schnellboote gepfercht und mit Tempo zu einer der Insel gedüst werden. Dort ergiesst sich der Strom in die Longtails, welche mit den Leuten durch den Hong fahren und schon gehts weiter zum nächsten Hong oder zurück nach Phuket. Als Yacht-Crew kann man sich neben dem Touristen-Strom bewegen, und die  Sehenswürdigkeiten besuchen, bevor die Touristen kommen oder nachdem sie gegangen sind. Manchmal gehts aber bedingt durch die eigene Tagesplanung nicht anders und man schwimmt mit den Sardinen mit.

Einfahrt in den grossen Hong auf Koh Hong (Krabi), 008°04,78’N 98°40,68’E.

Dieser Hong bildet eine grosse Lagune, die bei jeder Gezeitenhöhe genug Wassertiefe bietet. Hier kann man wunderbar baden und für Selfies posieren.

Im Gegensatz zum Massentourismus auf Koh Hong (Krabi) waren wir auf der Insel Koh Roi am Abend die einzigen Menschen im Hong, aber alleine waren wir deswegen ganz und gar nicht. Als wir ankamen war Niederigwasser und wir konnte zu Fuss hinein.

Eingang zum Hong auf Koh Roi (008°11,65’N 98°36,67’E) bei LW.

Hinter dem Durchgang lag ein dichter Mangrowen-Wald. An den Ästen hingen aber keine Früchte, sondern…

Durch die Höhle in den Hong

Einige Hongs sind vollständig im Inneren der Insel eingeschlossen und können nur über eine Höhle erreicht werden. Das ist dann ein absolutes Highlight. Du verankerst dein Schiff an einem im nautischen Führer beschriebenen Ort und fährst mit dem Dinghi zum Höhleneingang. Motor aus, Stirnlampen an. Dann rudert man leise durch absolute Dunkelheit, an der Decke hängen Fledermäuse. Allmählich sieht man vorne hinter der nächsten Biegung Licht hervorschimmern und bald ist der Ausgang der Höhle erreicht und man befindet sich im Inneren der Insel.

Bei solch kleinen Höhlen-Abenteuern gilt es die Gezeiten im Auge zu behalten. Als wir nach Thailand kamen, war gerade Springzeit und der Tidenhub betrug in den ersten Tagen 3m. Gewisse Hongs können per Dinghi nur bei bestimmten Gezeitenhöhen befahren werden. Ist die Gezeit zu niedrig, dann sitzt du auf, ist sie zu hoch, dann ist der Tunnel geflutet. Hier lohnt es sich nachzulesen, genau zu rechnen und pünktlich vor Ort zu sein. Auch das einlaufende Wasser durch eine Höhle stellt eine erhebliche Herausforderung dar, wenn man mit ungeübter Crew gegen den Strom herauspaddeln will.

Die Emerald Cave auf Koh Muk (007°22,16’N  99°17,02’E) war aus meiner Sicht der Höhepunkt unserer Hong-Besuche. Hier muss man durch eine 100m lange Höhle schwimmen, um in den Hong zu gelangen. Man hat als Hilfe eine Bojenleine an den Höhlenrand befestigt und wir haben zudem einen Rettungsring vom Kat als Schwimmhilfe mitgenommen.

Im Hong angekommen stehst du mitten in der Insel. Um dich herum zum Himmel aufragende Felswände, an denen tropische Pflanzen wachsen, unten das türkisblaue Wasser der Lagune mit einem Sandstrand. Das ist fast surreal schön!

Gerne wieder

Nach 4 Tagen Hong-Ferien zog es uns Richtung Phi-Phi-Island und weiter nach Süden zu Inseln mit herrlichen Korallenriffs. Dort haben wir unsere Taucherbrillen benutzt was der Schnorchel hielt. Der 2-Wochen-Törn ging wie immer zu schnell vorüber. Man müsste fürs Segeln einfach mehr Zeit haben! Für mich ist jedenfalls klar: Thailand – Phang Nga Bucht – gerne wieder.

Hier hängt mein Leben nicht an einem seidenen Faden, sondern an einem recht stabilen, schwebenden Felsen in einem Hong.